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Samstag, 22. Dezember 2012

Gefallene Kämpferin.

Letzte Sportstunde.

"Kommst du mit in die Umkleide? Wir haben Trinkpause."

Alle Augen sind auf mich gerichtet, wie ich da in der Ecke kauere. Die Beine, eng an den Körper gezogen und von den Armen fest umschlungen, den Kopf auf die Knie gestützt, als könnte ich ihn nicht aus eigener Kraft tragen. Kann ich auch nicht mehr. Die Gedanken sind zu schwer, zu belastend.
Psychologen interpretieren diese Haltung als eine Art Schutzschild. Als Mauer zwischen sich selber und der Außenwelt. Meine Augen sind geschlossen, ich reiße sie aber sofort auf als sie mich ansprechen. Lasst mich schlafen. Lasst mich in Ruhe. Bitte geht weg.

"Ja, ich komme."

Ich gebe vor, dass ich noch meine Schuhe zubinden muss. Ganz langsam verknote ich die Schnürsenkel, lasse langsam eine Schleife entstehen.
Die meisten kehren schon um, wollen nicht noch mehr Zeit der kostbaren Pause verstreichen lassen, indem sie auf mich dieses komische Mädchen warten.
An einem Ende ist die Schleife länger. Ich löse sie wieder. Beginne von vorne. Erst der Knoten, dann die beiden Schnüre übereinander legen und die Schlaufe fest ziehen. Noch ein kleines bisschen an der einen Seite ziehen. Fertig.
Ich blicke auf, die Halle ist leer. Meine Sportlehrerin ist im Geräteraum, ich kann ihre Schritte hören. Bis auf das gelegentliche Quietschen der Sohlen ist es totenstill.
Stille ist gut, sie ist sicher. Stille verrät dich nie.
Langsam stehe ich auf. ''Ganz langsam, nur nichts überstürzen'', erinnere ich mich selber in Gedanken. ''Nicht wieder hinfallen, weil dir schwarz vor Augen wird.''
Mit dem Rücken rutsch ich die Wand entlang hoch. Ich warte einen Moment. Das Ticken des Sekundenzeiger an der Wand hört sich unwahrscheinlich laut an. Tick. Tick. Tick. Tick.
Vier Sekunden verharre ich an der Wand gelehnt, mit geschlossen Augen, den Kopf in den Nacken gelegt. Dann fühle ich mich sicher genug, mein Kreislauf scheint wieder normal zu funktionieren. Mit den Händen stoße ich mich von der kalten Holzverkleidung der Turnhalle ab und mache vier Schritte in Richtung Ausgangstür.
Zu schnell. Viel zu schnell. Verdammt.
Alles verdunkelt sich, meine Sicht wird trüb und schwarze Flecken tanzen vor meinen Augen. Immer mehr und immer mehr. Ich habe das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ein Kribbeln fährt durch meine Füße und Beine.
Dann verliere ich den Halt.
Ich falle hin, meine Knie und mein rechter Ellenbogen kommen hart auf den ekeligen, dreckigen Boden auf. Schmerz schießt durch meinen Unterarm. Tränen schießen in meine Augen, aber es sind keine Tränen des Schmerzes. Es sind Tränen der Angst. "Du machst dienen Körper kaputt, als erstes merkst du es an deinem Kreislauf", hat mir eine Freundin letztens wutentbrannt hinterher geschrien. Ich habe Angst, weil ich merke, dass sie Recht hat.
Meine Augen werden wieder klarer, ich kann wieder vernünftig sehen. Stehe auf und laufe langsam in die Umkleide. Ich nehme bei jedem Schritt jeden einzelnen Muskel war, achte darauf, nicht zu schnell die Bewegungen auszuführen. Mir strömen die Mitschüler schon entgegen, sie sind fertig mit Trinken und wollen wieder in den Sportunterricht zurück. Ich kämpfe mich durch die Masse, bis ich in der Umkleide angekommen bin. Sofort setzte ich mich auf meinen Platz auf der Bank.
Diejenigen Mädchen, die noch in der Umkleide sind, essen. Sie stopfen sich die Pausenbrote in die Münder, verschlingen Bissen für Bissen die Nutella-Toasts.
"In deiner Tasche ist ebenfalls eine Dose mit Essen. Nimm sie hinaus und esse etwas.", flüstert mir eine Stimme in meinem Kopf zu.
Mein Blick fällt auf sie. Das eine Mädchen, von dem ich euch schon erzählt habe. Die Magersüchtige. Sie steht zwischen all den anderen Mädchen, trinkt aus einer 1 Liter Wasserflasche und lacht. Nein, sie isst nichts.
Ich öffne meine Tasche, sehe die Brote in meiner Dose, blicke zu ihr. Nehme meine Wasserflasche, trinke sie auf ex zur Hälfte leer.
Die Horde Mädchen geht lachend aus der Umkleide. Ich bin alleine. Mal wieder.
Nehme mein Essen.
Und gehe zum Mülleimer.

Scheiß auf die Angst, scheiß auf die Gesundheit, schließlich habe ich einen Kampf zu gewinnen. Mit ihr, mit all den Anderen, mit ihm und natürlich..auch mit mir selber.


Edit backlund - skinny - lyrics

Mirror mirror on the wall
Ruthless to your victim
Suiting you becomes my love
Tied to my reflection
Hunger takes a hold of me
Making my decisions
Glossy fashion magazines will feed my new addiction


Skinny
All these voices singing
Skinny
All my monsters singing
Skinny
Got to fit that new bikini
Skinny
All the world is singing
Skinny
All them girls are swinging
Skinny
Got to fit that new bikini


Hiding in my baggy jeans
No one knows my secret
Hiding from the eyes that see
I have been defeated
Mirror mirror on my wall
Ruthless to your victim
Suiting you is all I know
A slave to my reflection


Skinny
All these voices singing
Skinny
All my monsters singing
Skinny
Got to fit that new bikini
Skinny
All the world is singing
Skinny
All them girls are swinging
Skinny
Got to fit that new bikini


Skinny

Skinny

Skinny

Skinny

Skinny

Skinny

Skinny

Donnerstag, 20. Dezember 2012

bilder, darling.



 






 Heute gibt's mal Bilder, die mir gut gefallen ♥

Sind alle von weheartit.com, keinerlei Rechte liegen bei mir.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Hello, I hate myself.

Zum Essen gezwungen, mal wieder. Fuck, verdammt. 490 kcal. Am Abend. Die spinnen doch.
Und Papa hat frei, keinen Nachtdienst. Also nix mit Mia, er würde sofort mitbekommen, wenn ich das Essen auf dem Klo wieder aus mir heraus bekommen möchte.

Meine Gedanken rasen. Mein Kopf ist voll, er füllt sich förmlich überfüllt an.

Ich bin traurig, enttäuscht von mir selber, hasse mich.
Hasse mich dafür, dass nichts läuft, wie es soll. Dass meine Tricks immer aufkippen. Dass ich mich fetter werden spüre. Dass die Zahl morgen wieder größer ist.
42,4 waren es heute morgen. Bmi von 17, 8, das bedeutet leichtes Untergewicht. Es hat sich traumhaft angehört.
Aber ich mache natürlich alles wieder kaputt. Morgen wird es mehr sein, das weiß ich jetzt schon, mind. +500 gramm.

Aber jetzt ist es auch egal, ich kann es nicht mehr rückgängig machen, höchstens in der nächsten Zeit besser.
Morgen ist zum Glück Donnerstag. Montags und Donnerstags wollen Amalia ♥, mein Twin aus SVZ, und ich fasten. Den ganzen Tag keine einzige Kalorie zu mir nehmen, dazu noch Schulsport + Gymnastik zuhause. Das wird ein guter Tag.

Morgen ist ebenfalls letzter Schultag, danach 2 Wochen Ferien. Ich freue mich auf die Ferien. Aber ich habe auch Angst. In der Schulzeit kann ich (bis auf Abends ._.) mein Essen selber bestimmen, bzw. weglassen. In den Ferien werde ich tausenmal mehr kontrolliert. Aber ich habe auch mehr Zeit für Gymnastik, joggen etc. Das ist gut..

Warum?

In letzter Zeit frage ich immer wieder nach dem "Warum?".
Warum bin ich so, wie ich bin?
Warum kann ich meinen Körper nicht so annehmen, wie er ist?
Warum stecke ich mir den Finger in den Hals, wenn ich zuviel gegessen habe?
Warum hängt meine Stimmung von der Zahl auf der Waage ab?
Warum schneide ich mir mit Scherben die Haut auf, habe aber Angst, dass es irgendjemand sehen könnte?
Warum kann ich nicht sein, wie alle anderen?
Warum? Warum, verflucht?

Ich weiß es nicht, bin ratlos.
Für Essstörungen und Selbstverletzung gibt es immer Gründe, sagt man. Aber was ist mein Grund?
Ich bin nicht perfektionistisch, wurde in frühster Kindheit nicht sexuell missbraucht, habe keine Eltern, die immer auf Geschäftsreise sind.

Natürlich gibt es Dinge, die nicht toll laufen. Da wäre die Multiple-Sklerose meiner Mutter, durch die sie dauernde Schmerzen hat und mich deswegen sehr oft anschreit und ungerecht behandelt. Dazu kommt ihre dauernde Diät. Sie ist seit 2 Jahren auf Dauer-Diät, lässt Mahlzeiten aus und steigt jeden morgen auf die Waage. Aber kann sich solch ein Verhalten auf mich übertragen? Ist das nicht etwas zu unrealistisch?
Zwar ist mein Papa nur mein Stiefvater, aber das hat für mich nie einen Unterschied gemacht, ich liebe meinen Papa. Ohne ihn würde ich meine Mutter nicht ertragen können, er ist mein Fels in der Brandung.
Vielleicht sind es die vielen Umzüge, die vielen Abschiede, die mein Leben früher oft durcheinander gebracht haben? Das letzte Mal bin ich mit 7 umgezogen, damals war ich in der 1. Klasse. Aber ich war immer ein offenes Kind, habe schnell Anschluss gefunden. Das kann es nicht sein.
Was mich noch vor 3 Jahren belastet hat, ist die Tatsache, dass ich nur noch Mittelmaß bin. Wie gesagt, Perfektionismus ist nicht mein Ding. In der Grundschule war ich überall die Beste, hatte die besten Zeugnisse und war im Kampfsport sehr gut. Aber das war etwas total natürliches für mich, es war ein Kinderspiel. Mit dem Wechsel auf ein katholisches, privates Gymnasium war die Zeit des spielerischen Gewinnen's in guten Noten vorbei. Unter all den anderen Schülern war ich nur noch Durchschnitt. Zwar im oberen Drittel, aber nie Beste. Ich fing mit Klarinette an - war aber nur Durchschnitt. Ich begann mit Badminton - war aber nur Durchschnitt. Trat in die Theater-AG ein - war aber nur Durchschnitt. Überall das selbe Spielchen.
Man findet sich irgendwann damit ab, dass man nichts besonders gut kann.
Aber das kann kein Grund für mein Verhalten sein. Solche lapidaren Dinge passieren vielen Menschen. Aber es werden nicht viele Menschen unzufrieden mit ihrem Körper oder schneiden sich die Haut auf.

Was ist mit mir anders, was läuft nicht richtig in meinem Leben?

Und die zweite Frage: Wenn ich wüsste, was die Ursache ist, würde ich mein Verhalten ändern? An meinen Zwängen arbeiten wollen?

Nein.

Nein, das würde ich nicht. Ich brauche die Leere in meinem Bauch, ich liebe das Gefühl, wenn die Zahl geringer wird.Wenn mein bmi langsam niedriger wird.
Wenn ich andere Essen in sich hineinstopfen sehe, aber selber faste, fühle ich mich gut. In solchen Momenten ist alles gut.
Klar, gibt es auch Momente auf diesem Weg, die vielleicht nicht angenehm sind. Zum Beispiel das Kotzen. Glaubt niemandem, der sagt, dass es angenehm ist. Es ist ekelig und schrecklich. Aber danach fühlt man sich schon wieder viel besser, die Schuldgefühle lassen nach.
Deswegen werde ich immer wieder diese Momente in Kauf nehmen.

Solange ich langsam in mich selbst verschwinden kann ist alles oke.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Fuck mia.

Ich zittere stark, meine Beine wollen nachgeben. Langsam lasse ich mich mit dem Rücken an der Wand auf den Boden rutschen. Meine Kehle brennt wie Feuer. Sie fühlt dich rau an, als hätte ich einen Igel verschluckt. In meinem Kopf dröhnt es.
Ja, ich habe einen Fehler begangen. Aber ich musste es tun. Ich kann nicht zulassen, dass meine Eltern meine ganze Disziplin des Tages auf einmal zerstören.
In dem Moment, wo sie dich zum Essen zwingen, gehst du schon alle Möglichkeiten durch, wie du diesen Kalorien entgehen kannst. Und letztendlich ist immer eine Stimme in deinem Kopf die Lauteste..
Kotz es aus. Kotz es aus. Kotz es aus.
Um eins vor weg zusagen, ich hasse Bulimie. Ich hasse das Gefühl, wie man neben dem Klo sitzt, wie die Finger rau werden und der Magen sich dagegen stemmt.
Aber wenn man da sitzt weiß man, dass es kein Zurück mehr gibt. Man muss dieses Essen loswerden..
Und so sitze ich jetzt hier. Mein Herz pocht unnatürlich stark, meine Stimme ist heiser und gedämpft, ich spüre meine Speiseröhre. Meine Gedanken kreisen um die eine Zahl von heute morgen.. 42,8. Das bedeutet ein BMI von genau 18. Hoffentlich ist es morgen nicht mehr. Langsam stehe ich auf; teste, ob mein Kreislauf sich von der ganzen Sache erholt hat. Mir wird schwarz vor Augen, ich rutsche wieder auf den Boden. Stehe wieder auf. Und beginne mit Hampelmännern. "Mach das nie wieder.!", rät mir eine Freundin, selber Bulimikerin. Aber ich höre ihr nicht zu. Es ist nicht gut, das weiß ich, Aber ich weiß auch, dass ich es jedesmal wieder so machen würde.



 Ich habe Angst. Aber das ist egal. Alles ist egal. Nur nicht die Zahl auf der Waage morgen.

Montag, 17. Dezember 2012

Kampf, Cherié.

"Hast du abgenommen?"
"Meinst du mich?"
"Ja, dich natürlich. Deine Beine...., sie sehen dünner aus."
"Wirklich?" <3
"Nein, doch nicht. Sah nur eben so aus. Siehst aus wie immer."



Was würde ich dafür geben, dünner zu sein. Das ganze Fett von meinem Körper abzustreifen. Meine Knochen davon befreien. Ich fühle mich zu groß für diese Welt. Haha, ich bin die kleinste der Klasse. Aber es ist so, als würde ich zu viel Platz einnehmen.

Da ist dieses Mädchen aus meiner Klasse. Sie ist magersüchtig. Von ihrer ES weiß jeder, sie war vor einiger Zeit in der Klinik. Aber man sieht es bei ihr natürlich auch. Bevor sie aus der Klinik kam, war sie wirklich verflucht mager. BMI 13, höchstens 14. Ich wusste, wie gefährlich das ist, aber mein Neid kannte keine Grenzen. Ihre Disziplin ließ mich vor Scham im Boden versinken; unsere Körper zu vergleichen trieb mich in die Verzweiflung.
Jetzt ist sie wieder da, sie hat zugenommen. BMI 16 schätze ich. Heute hat sie den ganzen Schultag über ein kleines Stückchen Apfel gegessen. Ich habe gar nichts gegessen. Der Kampf beginnt.


Sonntag, 16. Dezember 2012

Hi.

Ja, auch ich gehöre wieder zu den Bloggern.
Habe es einfach zu sehr vermisst, mir alles von der Seele zuschreiben und zu wissen, dass da draußen auch Menschen sind, die mich verstehen. Oder es zumindest versuchen.

Da es mein erster Post ist, stelle ich mich kurz vor:
Mein Name ist hier Nala, natürlich könnt ihr euch denken, dass meine Mutter mir im "realen" Leben einen anderen gegeben hat, aber ich möchte ja relativ anonym bleiben. Ich bin 15 Jahre alt und wohne in einem kleinen, verhassten Dorf in NRW.
Meine Hobbys sind tanzen, Musik, ich gebe Nachhilfe und joa.,ansonsten nur so zwischenzeitliche Sachen wie AG's, aber das zählt ja nicht. Ich würde gerne mehr für die Schule lernen, damit ich ein gutes ABI mache, aber meist kann ich mich nicht aufraffen. Das soll sich in 2013 auf alle Fälle grundlegend ändern.
Und ja, ich habe ein paar Geheimnisse, die ich nur mit euch teilen werde. Ich verletze mich selber & bin dabei auf ungesunde Weise haha abzunehmen. Meinen Weg zu meinem Wunschgewicht könnt ihr unter (to) lose mitverfolgen. Bis zum Sommer '13 möchte ich auf alle Fälle unter 40 kg. Leider bin ich nicht so der schnelle Typ beim Gewicht verlieren, da ich mittags meist zuhause mit meinen Eltern essen muss.

Mehr gibt's erstmal nicht von mir zu erzählen. Wir lernen uns alle schon mit der Zeit kennen ♥