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Mittwoch, 19. Dezember 2012

Warum?

In letzter Zeit frage ich immer wieder nach dem "Warum?".
Warum bin ich so, wie ich bin?
Warum kann ich meinen Körper nicht so annehmen, wie er ist?
Warum stecke ich mir den Finger in den Hals, wenn ich zuviel gegessen habe?
Warum hängt meine Stimmung von der Zahl auf der Waage ab?
Warum schneide ich mir mit Scherben die Haut auf, habe aber Angst, dass es irgendjemand sehen könnte?
Warum kann ich nicht sein, wie alle anderen?
Warum? Warum, verflucht?

Ich weiß es nicht, bin ratlos.
Für Essstörungen und Selbstverletzung gibt es immer Gründe, sagt man. Aber was ist mein Grund?
Ich bin nicht perfektionistisch, wurde in frühster Kindheit nicht sexuell missbraucht, habe keine Eltern, die immer auf Geschäftsreise sind.

Natürlich gibt es Dinge, die nicht toll laufen. Da wäre die Multiple-Sklerose meiner Mutter, durch die sie dauernde Schmerzen hat und mich deswegen sehr oft anschreit und ungerecht behandelt. Dazu kommt ihre dauernde Diät. Sie ist seit 2 Jahren auf Dauer-Diät, lässt Mahlzeiten aus und steigt jeden morgen auf die Waage. Aber kann sich solch ein Verhalten auf mich übertragen? Ist das nicht etwas zu unrealistisch?
Zwar ist mein Papa nur mein Stiefvater, aber das hat für mich nie einen Unterschied gemacht, ich liebe meinen Papa. Ohne ihn würde ich meine Mutter nicht ertragen können, er ist mein Fels in der Brandung.
Vielleicht sind es die vielen Umzüge, die vielen Abschiede, die mein Leben früher oft durcheinander gebracht haben? Das letzte Mal bin ich mit 7 umgezogen, damals war ich in der 1. Klasse. Aber ich war immer ein offenes Kind, habe schnell Anschluss gefunden. Das kann es nicht sein.
Was mich noch vor 3 Jahren belastet hat, ist die Tatsache, dass ich nur noch Mittelmaß bin. Wie gesagt, Perfektionismus ist nicht mein Ding. In der Grundschule war ich überall die Beste, hatte die besten Zeugnisse und war im Kampfsport sehr gut. Aber das war etwas total natürliches für mich, es war ein Kinderspiel. Mit dem Wechsel auf ein katholisches, privates Gymnasium war die Zeit des spielerischen Gewinnen's in guten Noten vorbei. Unter all den anderen Schülern war ich nur noch Durchschnitt. Zwar im oberen Drittel, aber nie Beste. Ich fing mit Klarinette an - war aber nur Durchschnitt. Ich begann mit Badminton - war aber nur Durchschnitt. Trat in die Theater-AG ein - war aber nur Durchschnitt. Überall das selbe Spielchen.
Man findet sich irgendwann damit ab, dass man nichts besonders gut kann.
Aber das kann kein Grund für mein Verhalten sein. Solche lapidaren Dinge passieren vielen Menschen. Aber es werden nicht viele Menschen unzufrieden mit ihrem Körper oder schneiden sich die Haut auf.

Was ist mit mir anders, was läuft nicht richtig in meinem Leben?

Und die zweite Frage: Wenn ich wüsste, was die Ursache ist, würde ich mein Verhalten ändern? An meinen Zwängen arbeiten wollen?

Nein.

Nein, das würde ich nicht. Ich brauche die Leere in meinem Bauch, ich liebe das Gefühl, wenn die Zahl geringer wird.Wenn mein bmi langsam niedriger wird.
Wenn ich andere Essen in sich hineinstopfen sehe, aber selber faste, fühle ich mich gut. In solchen Momenten ist alles gut.
Klar, gibt es auch Momente auf diesem Weg, die vielleicht nicht angenehm sind. Zum Beispiel das Kotzen. Glaubt niemandem, der sagt, dass es angenehm ist. Es ist ekelig und schrecklich. Aber danach fühlt man sich schon wieder viel besser, die Schuldgefühle lassen nach.
Deswegen werde ich immer wieder diese Momente in Kauf nehmen.

Solange ich langsam in mich selbst verschwinden kann ist alles oke.

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